Ausstellung

Drei Brüder zwischen zwei Welten

10. August23. August, 2020

Zum ersten Mal seit dem Verlassen der Sowjetunion in den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts werden die Werke der Brüder Evgeni, Michael und Semjon Posin in Deutschland in einer gemeinsamen Retrospektive gezeigt.

Von der Kindheit in Sibirien bis zur Audienz beim Papst 

Im Vordergrund der Ausstellung in der Fabrik der Künste stehen vor allem Ölbilder und Zeichnungen, die außerhalb der Sowjetunion entstanden sind, gezeigt werden aber auch einige frühere Arbeiten. Auffallend bei der Betrachtung der Bilder ist, dass jeder der 3 Brüder seinen eigenen Weg in der künstlerischen Darstellung gegangen ist. 

Die Brüder Evgeni, Michael und Semjon Posin wuchsen im sibirischen Kansk auf, einer Stadt, deren Bewohner sich überwiegend aus ehemaligen Gulag-Häftlingen und Verbannten zusammensetzte. Nachdem der Vater, Oberst der Roten Armee, während der großen Terrorwelle Stalins 1937/38 Verhaftung und Todesurteil überlebt hatte, wurde er während der 2. großen Verhaftungswelle 1949 mit seiner Familie nach Kansk verbannt, wo er an einer Schule für Militärdolmetscher Japanisch unterrichten musste. 

In der Abgeschiedenheit der Provinz entwickelte sich das künstlerische Talent der drei Brüder - Beispiele für gehäufte familiäre Begabungen finden sich ungezählt in der Malerei - und deren Wunsch eine künstlerische Ausbildung zu erhalten, was sie dazu veranlasste, sich gemeinsam an der Kunstakademie in Leningrad zu bewerben, wo sie im Jahr 1973 nach dem Abschluss der Leningrader Kunstfachschule mit Erfolg angenommen wurden. Der erste, völlig unerwartete Konflikt Evgeni Posins mit den Anforderungen der Kulturpolitik zeigte sich bereits bei der Verteidigung seiner Diplomarbeit auf der Kunstakademie im Jahr 1979. In einem Bericht der "Leningrader Prawda" über die Abschlussarbeiten der Absolventen der Kunstakademie wurde der künstlerischen Behandlung seines Themas trotz professioneller Ausführung Mangel an Gefühl und Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte des eigenen Landes vorgeworfen. 

Nach Beendigung der Kunstakademie versuchten die Brüder Posin als freie Künstler zu arbeiten, was in der Sowjetunion immer wieder zu Konflikten mit dem System führte. Um künstlerisch arbeiten zu können, besetzten sie bei dem dort herrschenden Wohnungsmangel leerstehende Räume, in denen sie auch Ausstellungen ihrer Arbeiten zeigten. Diese Ausstellungen, welche auch von Journalisten aus dem westlichen Ausland besucht wurden, hatten immer wieder Durchsuchungen und Verhaftungen zur Folge. Bei einer erneuten Verhaftung im Jahr 1984 wurde Evgeni Posin vor die Entscheidung zwischen Ausweisung oder - auf Grundlage eines inszenierten Verbrechens - Haft in einem sibirischen Arbeitslager gestellt. 

Im Dezember 1984 verließ Evgeni Posin für immer die Sowjetunion. Seine Brüder folgten ihm zwei Jahre später. 

Nach dem Verlassen der Sowjetunion konnten die Brüder endlich frei arbeiten und ihre Bilder ausstellen. 2001 eröffneten sie in Berlin den mittlerweile weltweit bekannt gewordenen "Kunstsalon Posin", wo sie Kopien berühmter Gemälde zeigen und thematische Ausstellungen organisieren. So wurde im Jahr 2005 das 7m hohe Bilderkreuz von Michael Posin ausgestellt, ein Kreuz, das sich aus 16 Einzelbildern zusammensetzt und den Lebens- und Leidensweg Jesu thematisiert. Eines dieser Bilder ist 2004 von Papst Johannes Paul II. bei einer Audienz gesegnet worden. Das Kreuz steht seit 2007 in einem polnischen Kloster sowie ein Porträt des Papstes, das Evgeni Posin nach dem Besuch im Vatikan gemalt hat. Ein Modell des Kreuzes und eine Kopie des Porträts sind jetzt in dieser Ausstellung zu sehen. 

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